Bildung, Dorfleben und Kulturlandschaft gemeinsam entwickeln
Rothenklempenow ist ein besonderer Ort: ein historisches Denkmaldorf mit Gutsanlage, aktiven Vereinen, ökologischer Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung, Bildungsarbeit, Kultur, Naturtourismus und einer Landschaft, die eng mit dem Leben der Menschen verbunden ist. In den vergangenen Jahren sind hier viele Initiativen, Ideen und Projekte entstanden. Das Projekt „Zukunftsfelder 2035 – Vom Weltacker zum Bildungscampus / Ort zum Leben und Arbeiten“ hatte das Ziel, diese Ansätze zu sammeln, zu ordnen und daraus ein gemeinsames Zukunftsbild für Rothenklempenow zu entwickeln.
Das hier vorliegende Zukunftskonzept Rothenklempenow 2035 ist ein erster gebündelter Arbeitsstand. Es macht sichtbar, welche Potenziale im Ort vorhanden sind, welche Entwicklungsrichtungen sich aus dem Beteiligungsprozess ergeben haben und welche nächsten Schritte besonders vielversprechend erscheinen. Es ist damit keine abschließende Planung, sondern eine Grundlage für weitere Entscheidungen, Kooperationen, Förderungen und konkrete Umsetzung.
Leitbild: Ein lebendiger Ort für Bildung, Begegnung und Regeneration
Rothenklempenow soll sich bis 2035 als lebendiger ländlicher Zukunftsort weiterentwickeln: als Ort, an dem Bildung für nachhaltige Entwicklung, soziales Miteinander, regionale Wertschöpfung und ökologische Regeneration zusammenwirken.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie das Dorf, seine Gutsanlage, seine Betriebe, seine Vereine und seine Kulturlandschaft so zusammenspielen können, dass ein gutes Leben vor Ort möglich bleibt und neue Perspektiven entstehen. Dabei geht es nicht nur um einzelne Angebote oder Gebäude, sondern um ein tragfähiges Zusammenspiel von Menschen, Räumen, Landschaft, Wirtschaft und Gemeinwohl.

Das zentrale Ergebnis des Prozesses lautet:
Rothenklempenow braucht ein integriertes Entwicklungsmodell, das soziale Infrastruktur und ökologische Landschaftsentwicklung zusammendenkt. Ohne lebendige Dorfmitte, Begegnungsorte, Versorgung, Kultur und wirtschaftliche Perspektiven lassen sich auch ökologische Ziele langfristig nicht tragen. Umgekehrt ist die Landschaft nicht Kulisse, sondern Lebensgrundlage, Lernraum und Zukunftskapital des Ortes.
Vier Zukunftsfelder für Rothenklempenow
Aus den bisherigen Gesprächen, Projektideen, Arbeitsgruppen und Beteiligungsformaten lassen sich vier zentrale Zukunftsfelder ableiten.
1. Bildungscampus für nachhaltige Entwicklung
Der Weltacker Rothenklempenow und die Arbeit des RCE Stettiner Haff bilden einen wichtigen Ausgangspunkt. Künftig kann Rothenklempenow stärker als Bildungs- und Lernort entwickelt werden, an dem Nachhaltigkeit nicht abstrakt erklärt, sondern praktisch erfahrbar wird.
Dazu gehören Führungen, Bildungsurlaube, Schulangebote, Jugendformate, Hochschulkooperationen, Exkursionen, Workshops und Praxisangebote zu Landwirtschaft, Ernährung, Biodiversität, Wasser, Boden, Kulturlandschaft, Kreislaufwirtschaft und regionaler Geschichte.
Ziel ist ein Bildungscampus, der den bestehenden Weltacker erweitert: vom Acker über Dorf und Gutsanlage bis in die Landschaft. Rothenklempenow wird damit zu einem Ort, an dem Menschen lernen können, wie ländliche Räume resilienter, ökologischer und gemeinschaftlicher gestaltet werden können.
2. Dritter Ort, Kultur und Daseinsvorsorge
Ein wiederkehrendes Ergebnis des Prozesses ist die Bedeutung eines offenen Ortes im Dorfkern. Rothenklempenow braucht verlässliche Räume, in denen Bewohnerinnen und Bewohner, Vereine, Gäste, Unternehmen und neue Mitwirkende zusammenkommen können.
Die historische Gutsanlage, die ehemalige Gastronomie, Veranstaltungsräume, Heimatmuseum, Torgalerie und weitere Räume bieten dafür großes Potenzial. Denkbar sind ein Multiples Haus, ein offener Treffpunkt, eine Gemeinschaftsküche, Pop-up-Gastronomie, Café- und Kulturformate, ein Infopunkt, Räume für Beratung, Coworking, Vereinstreffen, Lesungen, Filmabende, Ausstellungen und Dorfveranstaltungen.
Kultur wird dabei nicht nur als Programm verstanden, sondern als soziale Infrastruktur. Sie schafft Begegnung, Identität, Teilhabe und die Möglichkeit, Geschichte und Zukunft des Ortes gemeinsam zu erzählen.
3. Naturbasierter Tourismus, Begegnung und regionale Wertschöpfung
Rothenklempenow liegt in einer besonderen Landschaft am südlichen Rand des Naturparks Am Stettiner Haff und im weiteren Oder-Delta. Die Kombination aus Kulturlandschaft, Wildnisentwicklung, Landwirtschaft, historischen Gebäuden, Rad- und Wandermöglichkeiten sowie regionalen Produkten bietet ein großes Potenzial für naturbasierten Tourismus.
Vielversprechend sind Führungen, Bildungsreisen, Retreats, Gruppenaufenthalte, Exkursionen, Kultur- und Naturveranstaltungen, Hochzeiten, Tagungen und Formate für Fachbesucherinnen und Fachbesucher. Damit diese Angebote tragfähig werden, braucht es eine bessere Bündelung: gemeinsame Sichtbarkeit, Buchbarkeit, Informationen, Ansprechpartner, Verpflegung, Unterkünfte und Kooperationen zwischen den Akteuren.
Naturbasierter Tourismus soll dabei nicht auf Masse setzen, sondern auf Qualität, Besucherlenkung, regionale Wertschöpfung und Respekt vor der Landschaft.
4. Ökologie, Landschaft und investierbare Zukunft
Die Landschaft um Rothenklempenow ist ein zentraler Bestandteil des Zukunftskonzeptes. Sie ist Lebensraum, Produktionsgrundlage, Erholungsraum, Bildungsort und ökologischer Speicher. Wasserhaushalt, Moore, Wälder, Grünland, Ackerflächen, Hecken, Wildtiere und Biodiversität müssen künftig stärker zusammen betrachtet werden.
Die im Umfeld des Projektes entstandenen Landschaftsszenarien Rothenklempenow 2035 zeigen aus landschaftlicher Perspektive, welche Entwicklungswege möglich sind. Sie ergänzen dieses Zukunftskonzept und können als eigener Baustein verlinkt werden.
Für die weitere Entwicklung ist entscheidend, ökologische Maßnahmen nicht nur als Kosten zu verstehen. Landschaftspflege, Wiederherstellung von Ökosystemen, Wasserhaushalt, Biodiversität, Bodengesundheit und Klimaschutz erzeugen Werte für die Region. Sie können Grundlage für Bildung, Tourismus, regionale Produkte, Förderprogramme, Ausgleichsmaßnahmen, Forschung und neue Finanzierungsmodelle werden.
Damit entsteht die Brücke zu einer neuen Ökonomie: Rothenklempenow kann beispielhaft zeigen, wie soziale und ökologische Leistungen sichtbar, messbar und langfristig finanzierbar werden können.
Landschaftsszenarien als Grundlage für den Blick auf die Kulturlandschaft
Ein wichtiger ergänzender Baustein des Zukunftskonzeptes sind die Landschaftsszenarien Rothenklempenow 2035. Sie wurden in einem eigenen Prozess aus landschaftlicher Perspektive entwickelt und betrachten die Zukunft des Ortes durch die Brille von Landschaft, Biodiversität, Wasser, Wald, Offenland, Landwirtschaft und Wildtieren.
Während das Zukunftskonzept den Ort als Ganzes betrachtet – also Dorfleben, Bildung, Kultur, Wirtschaft, Räume, Akteure und Gemeinwohl –, richten die Landschaftsszenarien den Fokus gezielt auf die umgebende Kulturlandschaft. Sie zeigen, welche unterschiedlichen Entwicklungswege für die Landschaft denkbar sind und welche Folgen diese für Landwirtschaft, Natur, Erholung, regionale Identität und Lebensqualität haben können.
Die Landschaftsszenarien machen deutlich, dass Rothenklempenow nicht getrennt von seiner Landschaft gedacht werden kann. Die Zukunft des Dorfes hängt unmittelbar mit Fragen des Wasserhaushalts, der Landnutzung, der Biodiversität, der Landschaftspflege und der ökologischen Resilienz zusammen.
Für das Zukunftskonzept ergibt sich daraus eine zentrale Schlussfolgerung: Dorfentwicklung und Landschaftsentwicklung müssen gemeinsam betrachtet werden. Eine lebendige Dorfmitte, tragfähige Bildungs- und Kulturangebote, regionale Wertschöpfung und naturbasierter Tourismus können langfristig nur entstehen, wenn auch die Kulturlandschaft als Lebensgrundlage, Lernraum und Zukunftskapital des Ortes erhalten, gepflegt und weiterentwickelt wird.
Die Landschaftsszenarien Rothenklempenow 2035 können hier als vertiefender Baustein aufgerufen werden: https://doi.org/10.5281/zenodo.12531954
Das integrierte Modell: Dorf, Landschaft und Ökonomie zusammendenken
Das Zukunftskonzept führt zu einem einfachen, aber weitreichenden Schluss: Die Zukunft Rothenklempenows liegt nicht in einem Einzelprojekt, sondern in der Verbindung der vorhandenen Potenziale.
Ein tragfähiges Modell muss mehrere Ebenen verbinden:
Soziale Ebene: Begegnungsorte, Kultur, Daseinsvorsorge, Beteiligung, Wohnen, Arbeiten, neue Mitwirkende.
Ökologische Ebene: Landschaftspflege, Biodiversität, Wasser, Boden, Wald, regenerative Landwirtschaft, Klimaschutz.
Ökonomische Ebene: regionale Wertschöpfung, Tourismus, Bildung, Veranstaltungen, Gastronomie, Vermarktung, Förderungen und neue Finanzierungsinstrumente.
Organisatorische Ebene: klare Zuständigkeiten, Kooperation der Akteure, gemeinsame Kommunikation, Betreiberstruktur, Website, Buchung und Koordination.
Wissensebene: Monitoring, Daten, Forschung, Dashboard, Wirkungserfassung und Lernorte.
Hier kann ein Dashboard für Rothenklempenow 2035 eine wichtige Rolle spielen. Es könnte sichtbar machen, wie sich soziale und ökologische Entwicklung gemeinsam entfalten: Welche Angebote entstehen? Welche Räume werden genutzt? Welche Landschaftsmaßnahmen werden umgesetzt? Welche Bildungsformate finden statt? Welche Wirkung entsteht für Dorfleben, Natur, regionale Wirtschaft und Gemeinwohl?
Das Dashboard wäre damit nicht nur ein technisches Werkzeug, sondern ein gemeinsames Bild der Entwicklung: Wo stehen wir? Was wirkt? Was fehlt? Welche nächsten Schritte sind sinnvoll?
Vielversprechende nächste Ansätze
Aus dem Prozess ergeben sich mehrere konkrete Ansätze, die prioritär weiterverfolgt werden sollten:
1. Offener Ort / Multiples Haus im Dorfkern
Ein niedrigschwelliger Treffpunkt als Anlaufstelle für Bewohnerinnen und Bewohner, Gäste, Vereine und Initiativen.
2. Gemeinschaftsküche und flexible Gastronomie
Eine nutzbare Küche als Grundlage für Veranstaltungen, Bildungsreisen, Gruppenverpflegung, Pop-up-Angebote, regionale Produkte und gemeinsames Dorfleben.
3. Gemeinsame Website und Vermarktung
Eine digitale Plattform, die Angebote, Räume, Veranstaltungen, Bildungsformate, Naturerlebnisse und Akteure bündelt.
4. Bildungscampus und Lernlandschaft
Weiterentwicklung des Weltackers zu einem erweiterten Lernort, der Dorf, Landwirtschaft, Landschaft und regionale Transformation verbindet.
5. Naturtourismus und Besucherlenkung
Aufbau qualitätsvoller Angebote für Führungen, Bildungsreisen, Exkursionen, Gruppen und Fachbesucher im Zusammenspiel mit Rewilding Oder Delta, Naturpark und lokalen Akteuren.
6. Kultur- und Residenzformate
Stärkung von Torgalerie, Heimatmuseum, Veranstaltungen, Erzählformaten, Kunst, Forschung und temporärem Wohnen für Menschen, die am Ort mitwirken.
7. Landschafts- und Wirkungsdashboard
Entwicklung eines einfachen Monitorings, das soziale, ökologische und ökonomische Entwicklungen sichtbar macht und Grundlage für Förderungen, Investitionen und Beteiligung werden kann.
8. Kooperatives Betreiber- und Finanzierungsmodell
Prüfung einer Struktur, die Gemeinde, Vereine, Unternehmen und Partner so verbindet, dass Betrieb, Gemeinwohl und wirtschaftliche Tragfähigkeit zusammenkommen.
Ergebnis
Mit dem Zukunftskonzept Rothenklempenow 2035 liegt nun ein gemeinsamer Orientierungsrahmen vor. Er zeigt, dass Rothenklempenow über besondere Voraussetzungen verfügt: engagierte Akteure, starke Orte, eine prägende Landschaft, vorhandene Bildungs- und Kulturarbeit, regionale Betriebe und überregionale Netzwerke.
Der nächste Entwicklungsschritt besteht darin, aus diesem Orientierungsrahmen konkrete Umsetzungspfade zu machen: Räume aktivieren, Angebote bündeln, Betreiberfragen klären, die Website weiterentwickeln, Landschaftsszenarien einbinden und soziale wie ökologische Wirkungen sichtbar machen.
Rothenklempenow kann damit zu einem Modellort werden, an dem sichtbar wird, wie ländliche Entwicklung im 21. Jahrhundert gelingen kann: nicht durch Wachstum um jeden Preis, sondern qualitatives Wachstum – durch Kooperation, regionale Wertschöpfung, lebendige Dorfmitte, Bildungsarbeit und die gemeinsame Verantwortung für die Kulturlandschaft.
Das Zukunftskonzept 2035 ist damit der erste sichtbare Abschluss des bisherigen Prozesses – und zugleich die Grundlage für die nächsten Schritte.
Wir danken allen mitwirkenden Akteuren und engagierten Menschen und unseren Förderern und Partnern ohne die dieses Projekt nicht möglich gewesen wäre:




